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Was alles in einer Tonerkartusche steckt – jetzt nochmal offiziell

Dienstag, 15. Juni 2010

Zugegeben: Es war eine schwere Geburt. Das Kontaktformular der Lexmark-Rewards-Website erlaubt zwar die Eingabe beliebig vieler Zeichen, schneidet dann aber nach 2.000 Zeichen alles ab. Die erste wirklich auf meine Anfrage eingehende Antwort war dann eine Aufstellung dreier übermittelter Werte, was mich zur Reaktion veranlasste, das könne ja kaum alles sein; schon in der Online-FAQ stünde schließlich mehr. Stimmt, erhielt ich die überraschende Antwort: Das seien nur die Werte, die über das hinausgingen, was auf der Website genannt würden. Irritiert merkte ich an, dass jene drei genannten Werte durchaus zu jenen gehörten, die bereits auf der Website stehen würden, und dass dort sogar noch viel mehr stehen würden – die Auflistung aus der Mail also doch keineswegs vollständig sein könnte. Wie schon gesagt.

Nach einigem Hin und Her – die Betreffzeile ist inzwischen bei „Re 7: Lexmark Rewards KONTAKT“ angekommen – erreichte mich nun eine Mail, die auch wirklich den Eindruck macht, den Umfang der Datenübermittlung vollständig zu nennen. Nun also, bitteschön:

Sehr geehrter Her Pasche,

ich habe soeben Nachricht vom rewards team erhalten:

Bei Übermittlung der Daten über die Toner-Kartusche werden automatisch die

1. Seriennummer des Druckers
2. Seriennummer der Kartusche
3. SID (Sicherheits-ID)
4. Anzahl der gedruckten Seiten
5. Tonerabdeckung pro Seite in Prozent (%)
6. Abnutzungsgrad des Imaging Kits (%)
7. Info über die ausschließliche Verwendung von Original Lexmark Tonerkassetten (ja/nein)

gespeichert.

Es werden keinerlei Informationen gespeichert über:

1. was gedruckt wurde
2. wann etwas gedruckt wurde
3. von wem etwas gedruckt wurde
4. von wo etwas gedruckt wurde
5. irgendwelche persönlichen Informationen

Dafür reicht die Größe des Speichers auf dem Chip (wenige K) ohnehin auch nicht aus.

Persönliche Daten werden ausschließlich durch die Verbindung der Online-Registrierung mit der Seriennummer des Druckers, gespeichert auf der Kartusche, hergestellt bzw. umgesetzt, um die Zusendung der kostenlosen Kartuschen bzw. Imaging Kits vornehmen zu können.

Herzlichen Dank an Lexmark, es hier letzten Endes zu einer sachlichen Antwort zu bringen und sich nicht hinter „Das ist ein Geschäftsgeheimnis“ zu verstecken. Auf dieser Basis kann ich nun auch eine verantwortliche Entscheidung treffen, ob ich der Übermittlung der gespeicherten Daten zustimme oder nicht.

Was alles in einer Tonerkartusche steckt

Dienstag, 01. Juni 2010

Seit einiger Zeit benutze ich einen Farblaserdrucker von Lexmark. Nun ist es ja so, dass insbesondere im unteren und mittleren Preissegment die Druckerhersteller ihre Umsätze in erster Linie mit Verbrauchsmaterial machen (vor allem im Bereich der Tintenstrahler, die inzwischen schon für zweistellige Summen über den Ladentisch gehen und einzelne Patronen zum Teil teurer sind als der ganze Drucker). Es ist also durchaus ein Umsatzproblem für die Hersteller, wenn sich ein Kunde einen Drucker zum billigen Preis zulegt und dann aber das Verbrauchsmaterial lieber von wesentlich günstigeren Alternativherstellern bezieht statt die teuren Originalprodukte vom Hersteller.

Lexmark hat sich nun etwas Interessantes ausgedacht: Man kann seinen Drucker bei einem Reward-Programm anmelden, dann sendet man seine leeren Tonerkartuschen zurück, und diese werden auf einem Konto gesammelt. Pro einer gewissen Anzahl von Rücksendungen gibt’s dann eine kostenlos eine neue Tonerkartusche sowie Imaging Kits bei Bedarf. Natürlich werden ausschließlich Rücksendungen von Originalkartuschen berücksichtigt. Man mag nun natürlich einwenden, dass Lexmark die Kosten für dieses Programm natürlich irgendwie in den Drucker-/Tonerpreis eingerechnet haben wird, aber der Schachzug ist geschickt: Sie schaffen es nämlich, ein Gefühl beim Käufer dafür zu wecken, dass Loyalität gegenüber dem Hersteller sich lohnt. (Ob das tatsächlich der Fall ist, sei mal dahingestellt; allein über die Qualitätsunterschiede zwischen Hersteller- und Fremdtoner ließen sich hässliche Diskussionen vom Zaun brechen.)

Da man fürs Recycling einfach nur seine leere Tonerkartusche zurücksenden muss und nichts weiter, stellte sich mir die Frage: Wie machen die das? Irgendwie muss die Kartusche ja mir bzw. meinem Drucker zugeordnet werden, damit das mit dem Rewards-Programm funktioniert. Am wahrscheinlichsten dürfte daher sein, dass sich der Drucker selbst bei Nutzung der Kartusche irgendwie mit seiner Seriennummer „verewigt“. Also habe ich mich auf die Suche nach weiteren Informationen gemacht, was so eine Tonerkartusche sonst noch weiß.

Um es kurz zu machen: Die Datenschutzbestimmungen des Reward-Programms schweigen sich interessanterweise schon mal darüber aus – diese beziehen sich nur auf die persönlichen Daten, nicht auf die Daten der Tonerkartusche. Die Nutzungsbedingungen formulieren schon etwas konkreter:

Durch Ihre Teilnahme an dem Programm stimmen Sie darüber hinaus der Sammlung und Nutzung der durch die Rückgabe der leeren Druckkassetten erworbenen Daten (z. B. Seriennummer von C540/X540, Anzahl der gedruckten Seiten) zu.

Das einschränkende „z. B.“ lässt schon vermuten, dass das nicht alles ist. Die FAQ verrät dann schließlich mehr dazu, aber nicht in einer handlichen Übersicht, sondern nur hier und da häppchenweise, und auch wiederum nur als exemplarische Beispiele. Aber auch die haben es schon in sich. Zusammengestellt geht es – mindestens! – um folgende Dinge, die auf der Tonerkartusche gespeichert werden und die von Lexmark nach der Rücksendung ausgelesen und ausgewertet werden und die blumig mit dem Satz „Jede Gerätenutzung wird individuell aufgezeichnet“ zusammengefasst werden:

  • Seriennummer des Druckers
  • Anzahl der gedruckten Seiten
  • Tonerabdeckung pro Seite in Prozent
  • Abnutzung des Imaging Kits

… und als besonderes Schmankerl:

[…] gibt jede zurückgeschickte Tonerkassette Auskunft […] und überprüft, ob Sie seit der Erst-Installation Ihres Druckers ausschließlich Original Tonerkassetten von Lexmark verwendet haben.

Das ist wie gesagt das Minimum dessen, was Lexmark in den Tonerkartuschen erfasst. Damit kann man natürlich durchaus einverstanden sein – man bekommt ja immerhin auch etwas dafür. Aber zumindest für diejenigen, die nicht genauer nachgelesen haben, wollte ich zumindest mal erwähnt haben, dass man Lexmark weit mehr zurückschickt als nur einen hohlen Kunststoffblock.

Zum Schluss noch ein Blick in die Geräte-Patentlizenz:

Der patentierte Drucker ist lizenziert für und funktioniert nur mit echten Lexmark Druckkassetten und Entwicklerkomponenten während der Lebensdauer des patentierten Druckers. Sie verpflichten sich: (1) nur Lexmark Druckkassetten und Entwicklerkomponenten mit diesem Drucker zu verwenden […]

Wer also nicht gerade dazu bereit ist, auf seine Garantie zu pfeifen, wenn mal was am Drucker kaputt ist, der sollte sich hüten: Zurückgesendete Tonerkartuschen verraten Lexmark gnadenlos, wenn man mal – und sei es auch nur einmal zwischendurch – eine Kartusche aus dem Nachfüllshop an der Ecke benutzt hat. Selbst wenn das schon längere Zeit zurückliegen sollte. Wie sich das auf die Erfüllung der Garantie auswirkt, wird man sich denken können.


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